Kletter–Aktiv–Tag für Paare
„Wir trauen uns“ – Ehevorbereitung mal anders. Der Kletter–Aktiv–Tag richtet sich gezielt an Paare, die heiraten möchten.

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Kletter–Aktiv–Tag für Paare
Interview: Svenja Runciman

„Ich traue mich noch nicht mal auf eine Leiter“
Wer seinen Partner vor der Ehe nochmal von einer ganz anderen Seite erleben möchte, für den hält die Katholische Kirche in Köln ein besonderes Angebot bereit: Einen Kletteraktivtag für Paare, die heiraten möchten. Geklettert wird entweder in einem Hochseilgarten in Köln und Umgebung oder am Kletterfelsen in der Eifel.

Frau Oediger–Spitath, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kletterkurse für Brautpaare anzubieten?

Wir bieten ganz unterschiedliche Angebote für Paare an zum Thema Ehevorbereitung und Ehebegleitung. In diesem Rahmen hatte ich mich auf Anregung der Familienbildungsstelle mit einer Klettertrainerin zusammengesetzt und wir haben überlegt, wie ein Angebot für Paare aussehen kann. Und so haben wir zunächst ein Format völlig unabhängig vom Thema Heiraten entwickelt. Titel: „Halt mich fest!“. Das ist auf sehr positive Resonanz gestoßen. Nachdem der Kurs zweimal stattgefunden hatte, haben wir uns überlegt, dass das auch ein tolles Angebot für Brautpaare wäre. Mit einer kleinen Fokus–Verschiebung und dem Titel „Wir trauen uns“. Diesen Kurs haben wir jetzt das fünfte Jahr im Angebot. Er dauert immer einen ganzen Tag, von 10.30 bis 17 Uhr, und die Paare reisen aus dem ganzen Bistum an.

Wie ist die Resonanz?

Total positiv. Die Brautpaare freuen sich, mal was ganz anders zu machen als klassische Ehevorbereitungskurse, wo das Gespräch und der Austausch im Vordergrund stehen. Einige Leute wollen gerne nochmal was erleben mit ihrem Partner, nicht nur über sich reden. Und das eben zusammen mit Paaren, die auch in dem Jahr heiraten.

Warum gerade Klettern?

Wir haben eben festgestellt, dass es gerade beim Klettern Momente gibt, in denen die Paare etwas erleben können, das übertragbar ist auf Partnerschaft und Ehe im Allgemeinen. Zum Beispiel: Was trau ich mich, wenn Du mich hältst, wie viel Halt brauche ich, um mich selber was zu trauen? Und das in wechselnden Rollen. Der eine sichert, der andere klettert. Dann kommen Fragen auf wie: Wie stramm muss das Seil sein? Wie viel Freiheit brauche ich? Wie läuft unsere Kommunikation? Wie können wir unsere Wünsche äußern, unsere Bedürfnisse kommunizieren? Der Sichernde wird immer nochmals gesichert durch eine ganz starke Wurzel, es hängt also nicht alles an ihm. Das ist auch ein guter Moment für eine Partnerschaft, quasi mit der Bedeutung: Ich kann nicht alles für meine Partnerin/meinen Partner sein. Gut ist auch das Gefühl, dass ich selber gut gehalten bin.

Was sind weitere Themen, die aufkommen?

Zum Beispiel das Thema Grenzen: Sich den eigenen Grenzen nähern, prüfen: Kann ich die auch verschieben? Wir hatten zum Beispiel eine Teilnehmerin, die sagte: Wenn ich ehrlich bin, trau ich mich noch nicht mal auf eine Haushaltsleiter. Die Trainer ermutigten sie, es trotzdem zu versuchen. Auch wenn sie vielleicht nur die Erfahrung macht, einen Meter hoch zu klettern und einfach mal den Felsen zu fühlen. Da merkt man, wie motivierend es sein kann, was zu überwinden. Und wichtig ist auch Folgendes: Ziel ist nicht, dass alle oben ankommen. Sondern das man gemeinsam eine gute Erfahrung gemacht hat.

Was passiert hinterher?

Nach dem Klettern gehen wir zurück zur Hütte, die Paare bekommen einen Imbiss, etwas Warmes und dann können sie sich zunächst als Paar austauschen. Dafür erhalten sie von uns einen Impulszettel. Durch das Festhalten werden die Erlebnisse zu einer Erfahrung. Danach gibts eine Runde mit allen, in der erzählen die Paare, was sie erlebt haben. Das ist teilweise sehr berührend und ein sehr schöner Austausch.